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Nukleolus
Nukeolus, schematische Darstellung (hellblau=rRNA, rot=pKi-67)
(modifiziert nach Kill et al., 1996)

Neue Ergebnisse:

Klonierung, Charakterisierung und Funktionsanalyse des proliferationsassoziierten Ki-67 Antigens

M. Duchrow
Zusammenfassung der kumulativen Habilitationsschrift

(Universität zu Lübeck, Medizinische Fakultät, 2003)
Vollständige Schrift als -> PDF Datei (1029 kb)

Einleitung

Das humane Antigen pKi-67 ist durch den monoklonalen Antikörper Ki‑67 defi­niert und wird ausschließ­lich in proliferierenden Zellen exprimiert. Untersuchungen zur Lokalisation von pKi‑67 ergaben, dass es sich während der Interphase (aktive Phasen der Zellteilung mit Ausnahme der Kernteilungsphase) hauptsächlich in den Kern­kör­perchen (Nukleoli; Orte der rRNA-Transkription) befindet. Während der Kernteilungsphase (Mitose) ist pKi-67 dagegen auf der Oberfläche der kondensierten Chromosomen nachweisbar.

Ergebnisse

Die Klo­nie­rung und Sequenzierung der cDNA von pKi-67 ergab, dass es sich um ein Pro­tease-sensibles, alkalisches Zell-Kern Protein mit repetitiven Elementen (sech­zehn homologe „Ki‑67 Tandem-Re­pe­titionen“ von je ca. 122 Aminosäuren) und einem hohen Gehalt an zufällig verteilten Prolin- und Lysin-Aminosäuren handelt, das in zwei unterschiedlich großen Isoformen (345 kD bzw. 395 kD) auftritt und das wahr­scheinlich post­trans­la­tional modifiziert wird, insbesondere durch Phosphorylierung. Als molekulare Ursache der unterschiedlich großen Isoformen wurde das alternative Spleißen des 1080 bp großen Exon 7 festgestellt. Jede der sech­zehn Ki‑67 Tandem-Re­pe­titionen, die von Exon 13 kodiert werden, enthält ein hoch­kon­servier­tes „Ki‑67 Motiv“ mit einem am­pho­philen und wahr­scheinlich immun­do­mi­nan­ten Chara­kter.

Antisense-Inhi­bi­tions­ver­suche ergaben, dass pKi-67 für die Auf­recht­er­hal­tung des Zellzyklus wahr­schein­lich absolut er­forderlich ist. Mittels Untersuchungen zur Expression des pKi-67 Gens wurde festgestellt, dass pKi‑67 ausschließlich über die de novo Trans­krip­tion (Neusynthese) bzw. die Degra­da­tion über den Ubiquitin- und Proteasom-abhän­gigen Abbauweg kurzlebiger Pro­teine reguliert wird. Bei Auftreten eines Zellzyklus-Arrests kann die Halbwertzeit des Proteins aber erheblich ausgedehnt sein. Anhand des Vergleichs der mRNA und Proteinexpression in kolorektalen Tumoren konnten posttranskrip­tio­nel­le Re­gu­lations­mechanismen von pKi-67 prak­tisch ausgeschlossen werden.

Über ein 2-Hybrid-Klonierungs-System wurden zahlreiche Interaktionspartner von pKi‑67 iden­tifiziert. Demzufolge interagiert pKi-67 vor allem mit Proteinen des Nukleo­lus sowie ver­schie­denen DNA- sowie Zellzyklus-assoziierten Proteinen. Die festgestell­te Interaktion des C-Terminus von pKi-67 mit den Heterochromatin-bin­den­den Pro­tei­nen HP1Hs a und b wur­de mehrfach durch andere Arbeitsgruppen bestätigt. Die identifizierte Bin­dung von pKi-67 an Importin 7 (RanBP7) könnte die Lokalisation von Cyclinen oder Cyclin-abhängigen Kinasen (cdk) beeinflussen. Weitere Versuche ergaben, dass die Expression rekombinanter Frag­mente aus Exon 7 und 13 von pKi-67 im Zellkern selek­tiv die Trans­lo­kali­sation von Cyclin B zum Nukleolus ver­ur­sach­te. Cyclin B bil­det mit cdk1 („cyclin dependent kinase 1“; p34cdc2) am Ende der Interphase einen aktiven Komplex, den „Matura­tion Promoting Factor“ (MPF), der wahrscheinlich alle Ereig­nisse initiiert, die eine Inter­phasezelle zur Mitose führen.

Diskussion

Aus diesen sowie weiteren Erkenntnissen aus Versuchen zur Expres­sion rekom­binanter Teil­strukturen konnten für pKi-67 folgende, nach Do­mänen aufgeteilte Funktionen vor­geschlagen werden:

Die N-terminale Domäne, die in der mRNA Exon 1 bis 12 umfasst, reguliert die Inter­aktions­fähigkeit von pKi-67 und befähigt das Protein zur Selbstassoziation und Poly­me­ri­sation.

Der mittlere Bereich, der 16 Tandem-Repetitionen aus Exon 13 enthält, vermittelt eine Viel­zahl von Bindungen, die es dem Protein ermöglichen, als „Carrier“ zu funk­tio­nie­ren und die der Grund für die Assoziation mit den Nukleoli sind. Wahrscheinlich dirigieren die Tan­dem-Repetitionen Cyclin B und damit den MPF selektiv in die Nukleoli und ini­tiie­ren damit die massive Phosphorylie­rung der nukleolären Proteine ein­schließ­lich pKi-67.

Der C-Terminus, der in der mRNA das Ende von Exon 13 sowie die Exons 14 und 15 umfasst, bedingt die Affinität zu Heterochromatin. Dadurch trägt der C-Terminus in der frühen G1-Phase des Zellzyklus zur Verankerung der Chromosomen an der In­nenseite der Kern­mem­bran bei. Diese Funktionen finden jedoch nicht beliebig auf allen Chro­mo­somen statt, sondern nur im Bereich der Nukleoli bzw. der „Nukleo­lären Organisa­tions Re­gio­nen“ (NOR). 

Den Ergebnissen der in der Habilitationsschrift zusammengefassten Original-Artikel zufolge ist die wich­tigste Funktion von pKi-67 die Regu­lation der Desintegration und Reformation der Nukleoli. Im Rahmen dieser Funk­tion induziert bzw. unterstützt es ebenfalls teilweise die Kon­den­sation und Dekon­densation der Chro­mosomen. Die Expression, Phos­pho­rylierung, Dephos­phory­lierung sowie Degradation von pKi-67 folgt dabei einem Zyklus, der parallel zum Zellzyklus verläuft.

 



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